Angst vorm ReisenDer Urlaub rückt immer näher. Und die Vorfreude auf das schöne Hotel, den herrlichen Strand, das gute Essen und die Erholung fernab vom Alltagsstress steigt. Eigentlich könnte also alles perfekt sein. Wenn da der blöde Flug nicht wäre. – Nicht für jeden Passagier fängt der Urlaub schon an Bord des Ferienfliegers an. Ganz im Gegenteil: Mehr als die Hälfte aller Passagiere haben ein etwas mulmiges Gefühl oder empfinden ein leichtes Unbehangen. Und bei einigen ist die Flugangst sogar so ausgeprägt, dass sich regelrechte Panik breitmacht und der Flug zur Qual wird. Doch die Angst vorm Reisen lässt sich überwinden.

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen…“ heißt es in einem Klassiker von Reinhard Mey. Doch diejenigen, die mit der Aviophobie – das ist der Fachausdruck für Flugangst – zu kämpfen haben, werden wohl kaum zustimmen. Dabei kann Flugangst viele verschiedene Ursachen haben und sich ganz unterschiedlich äußern. Eines aber haben alle Betroffenen gemeinsam: Wenn sie schon in einen Flieger steigen, dann wünschen sie sich, dass der Flug möglichst schnell wieder vorbei ist. Die besungene Freiheit über den Wolken zu genießen, können sie sich nur schwer vorstellen. Dabei ist es möglich, die Angst vorm Reisen in den Griff zu bekommen. Der Betroffene wird dadurch zwar eher selten zum passionierten Vielflieger werden. Aber er wird einen Flug entspannt und weitestgehend angstfrei erleben.

Flugangst hat viele Gesichter

Bei der Flugangst handelt es sich um eine Angststörung, die vor oder während Flugreisen auftritt. Die Angstreaktion ist also an bestimmte, ganz typische Situationen geknüpft. Jemand, der unter Flugangst leidet, hat deshalb nicht zwangsläufig auch mit anderen Ängsten wie Höhen- oder Platzangst zu kämpfen. Wann und wodurch die Angstreaktion ausgelöst wird, kann sehr unterschiedlich sein. So ist es oft gar nicht der Flug selbst, sondern die Angst beginnt schon lange vorher. Bereits bei der Buchung des Urlaubs oder beim bloßen Gedanken an den bevorstehenden Flug kann die Flugangst nämlich aufkommen. In diesem Fall wird von einer sogenannten Erwartungsangst gesprochen. Auch die Angst vor einer Panikattacke während des Flugs ist eine Form der Flugangst. Nach dem Einsteigen und während des Flugs können dann die unterschiedlichsten Faktoren eine Angstattacke auslösen, beispielsweise

  • die röhrenartige Form der Flugzeugkabine,
  • die vielen Menschen auf engem Raum,
  • die Gewissheit, das Flugzeug nicht einfach anhalten und aussteigen zu können,
  • die Abgabe der Kontrolle an die Piloten,
  • die Sicherheitserklärungen des Kabinenpersonals,
  • die ungewohnten Geräusche der Triebwerke,
  • Turbulenzen und Luftlöcher,
  • das Aufleuchten der Anschallzeichen,
  • die Höhe, die beim Blick aus dem Fenster bewusst wird,
  • die Erinnerung an ein unangenehmes Erlebnis bei einem früheren Flug oder
  • die Angst vor einem Flugzeugunglück.

Angst vorm Reisen: Flugangst ist irrational

Ängste sind eigentlich sehr sinnvoll. Denn ihre Aufgabe besteht darin, den Menschen vor Gefahren zu schützen und ihn davon abzuhalten, sich unnötigen Risiken auszusetzen. Allerdings ist die Flugangst keine rationale Form der Angst. Objektiv betrachtet, gibt es keinen plausiblen Grund für die Flugangst. Denn rein statistisch gesehen sind Flugzeuge die sichersten Verkehrsmittel, die es gibt. Sie transportieren jedes Jahr rund vier Milliarden Menschen. Und die Anzahl der Flugzeugunglücke, bei denen Menschen zu Tode kommen, ist verglichen mit der Zahl der Flüge und der Zahl der Passagiere verschwindend gering. Hinzu kommt, dass Passagierflugzeuge mit modernster Technik arbeiten und ständig überprüft werden. Die Piloten, das Kabinenpersonal, die Mitarbeiter im Tower und die Fluglotsen sind hervorragend ausgebildet und wissen, was sie tun. Doch solche Überlegungen helfen dem Betroffenen nicht weiter und auch Statistiken werden ihn nicht überzeugen. Denn Flugangst ist eben keine rationale Reaktion auf eine Gefahrensituation.

Wie sich Flugangst äußert

Die Flugangst beginnt im Kopf. Doch oft bleibt es eben nicht bei ein paar Bedenken und einem leicht mulmigen Gefühl. Stattdessen wird die Angst immer größer. In der Folge schüttet der Körper zunehmend Stresshormone aus, die dann wiederum typische Symptome wie

  • Schweißausbrüche,
  • Blässe,
  • Kopfschmerzen,
  • Herzrasen,
  • verkürzte Atmung,
  • Schwindel oder
  • Übelkeit

hervorrufen. Diese körperlichen Symptome verstärken das Gefühl, einer Stresssituation ausgeliefert zu sein. Dies kann die Angstattacke noch zusätzlich verschlimmern. Meist kommt dann noch dazu, dass dem Betroffenen seine Angst peinlich ist. Immerhin scheint den anderen Passagieren all das, wovor sich der Betroffene fürchtet, nichts auszumachen. Also verursacht er, seine Panik zu verbergen. Dadurch wird der Stress aber nur noch größer.

Angst vorm Reisen: Gegen Flugangst hilft fliegen

Das wirksamste Mittel, um die Angst vor Flugreisen dauerhaft in den Griff zu bekommen, ist das Fliegen. Denn jeder Flug bleibt als positives Erlebnis in Erinnerung. Der Betroffene kann für sich feststellen, dass nichts passiert ist, dass es eigentlich gar nicht so schlimm war und vor allem, dass er den Flug erfolgreich gemeistert hat. Und jede positive Flugerfahrung nimmt der Flugangst etwas Wind aus den Segeln. Wenn der Betroffene für sich das Fazit ziehen kann: „Es war nicht unbedingt angenehm, aber auch nicht tragisch und eigentlich ganz gut auszuhalten“, ist er auf dem besten Weg, seine Flugangst dauerhaft in den Griff zu kriegen. Geht der Betroffene Flugreisen hingegen aus dem Weg, setzt sich die Flugangst immer mehr fest und es wird zunehmend schwerer, sie jemals zu überwinden.

Übrigens: Flugerfahrung ist kein Garant dafür, dass keine Flugangst aufkommt. Selbst bei jemandem, der schon sehr oft und immer gerne geflogen ist, kann ein bestimmtes Ereignis zum Auslöser von Flugangst werden. Wenn dann bei den nächsten Flügen aber wieder positive Flugerlebnisse gesammelt werden, verschwindet meist auch die Flugangst wieder.

Tipps bei Flugangst – hier unsere Liste für Sie!

Natürlich klingt es einleuchtend, dass die Flugangst immer weniger wird, wenn ihr immer mehr positive Flugerlebnisse gegenüberstehen. Doch das ist zunächst einmal die Theorie. In der Praxis kann es nämlich ganz schön viel Überwindung kosten, überhaupt ins Flugzeug einzusteigen. Aber an diesem Punkt hilft vielleicht die folgende Liste mit nützlichen und bewährten Tipps weiter!

1.) Hinterfragen Sie Ihre Angst. Wofür fürchten Sie sich konkret? Vor der Enge? Vor der Höhe? Vor dem Kontrollverlust? Vor einer peinlichen Panikattacke? Warum haben Sie Angst, was ist der Auslöser? Wie äußert sich die Angst? Wenn Sie Ihre Ängste verstehen, sind sie keine abstrakte Bedrohung mehr, sondern werden greifbar. Dadurch können Sie sich konkrete Gegenmaßnahmen zurechtlegen.

2.) Eignen Sie sich Wissen über die Flugzeugtechnik und die Abläufe an. Informieren Sie sich darüber, wie Flugzeuge geprüft und gewartet werden. Machen Sie sich bewusst, dass Turbulenzen keine Gefahr darstellen. Und behalten Sie im Hinterkopf, dass alle wichtigen Gerätschaften immer mindestens doppelt vorhanden sind, so dass ein technischer Ausfall immer sicher kompensiert werden kann. Übrigens reicht ein einziges Triebwerk aus, damit ein Flugzeug fliegen kann…

3.) Besuchen Sie im Vorfeld mehrere Male den Flughafen. Schauen Sie sich alles in Ruhe an, lernen Sie die Atmosphäre kennen und beobachten Sie die Flugzeuge.

4.) Tauschen Sie sich beispielsweise in Foren mit anderen Betroffenen aus und erkundigen Sie sich, welche Tipps und Tricks anderen helfen. Sie werden erstaunt sein, wie viele Menschen Ihr Problem teilen.

5.) Eignen Sie sich Entspannungstechniken an, auf die Sie im Ernstfall zurückgreifen können. Bei diesen Techniken kann es sich beispielsweise um Atemübungen, autogenes Training, Yoga oder Muskelentspannung handeln.

6.) Fliegen Sie mit einer Fluggesellschaft, die Sie kennen und der Sie Vertrauen schenken.

7.) Wählen Sie einen Flug am späten Vormittag oder Nachmittag. Ein Nachtflug oder ein Flug in den frühen Morgenstunden bringt Ihren Schlafrhythmus durcheinander. Dadurch ist die Anspannung größer.

8.) Wählen Sie einen Sitzplatz am Gang und in Höhe der Tragflächen. Hier sind die Flugzeugbewegungen am wenigsten zu spüren.

9.) Vertrauen Sie sich dem Kabinenpersonal an. Die Flugbegleiter sind im Umgang mit Gästen, die unter Flugangst leiden, geschult und werden Ihnen hilfreich zur Seite stehen. Außerdem nehmen Sie sich dadurch den Stress, Ihre Angst vor anderen verbergen zu wollen/müssen.

10.) Denken Sie positiv! Versuchen Sie, Angstgedanken nicht aufkommen zu lassen. Wenn Sie Gedanken wie „Was war das für ein komisches Geräusch?“ oder „Wir stürzen bestimmt gleich ab“ durch „Eigentlich ist mein Sitz wirklich bequem“ ersetzen, wirken Sie einer Angstattacke wirksam entgegen.

11.) Lenken Sie sich ab, indem Sie ein Buch lesen, Musik hören oder einen Film aus dem Bordprogramm schauen. Oder versuchen Sie, zu schlafen.

12.) Essen Sie eine Kleinigkeit. Dadurch verhindern Sie eine Unterzuckerung. Und wenn Sie etwas im Magen haben, wird Ihnen nicht so schnell schlecht.

13.) Trinken Sie stilles Mineralwasser, einen leckeren Saft oder eine Tasse Tee. An Bord ist die Luft oft recht trocken. Gleichzeitig hilft Ihnen das Trinken, einen kühlen Kopf zu bewahren.

14.) Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie keine Luft bekommen, schalten Sie die Lüftungsdüse über Ihrem Sitz ein.

15.) Wechseln Sie immer mal wieder die Sitzposition oder stehen Sie auf und gegen Sie ein paar Schritte auf und ab. So lockern Sie Ihre Muskulatur.

16.) Halten Sie durch! Egal wie groß die Anspannung auch sein mag – sie hält nicht lange an. Denn den Körper auf Alarmbereitschaft mit hohem Stresspegel zu halten, kostet viel Energie. Ähnlich wie bei einem Sprint verbraucht der Körper sein Energiekontingent und schaltet das Alarmsystem danach ab. Nach wenigen Minuten ist Ihre Panikattacke also ganz von alleine wieder vorbei.

Aber: Trinken Sie keinen Alkohol! Alkohol kann nicht nur die körperlichen Angstsymptome verstärken, sondern die Angst auch auf emotionaler Ebene vergrößern. Und lassen Sie die Finger von Medikamenten! Sie werden Ihnen auf Dauer nicht helfen. Schlimmstenfalls können die Medikamente die Häufigkeit von Panikanfällen sogar steigern und überdies zu einer Abhängigkeit führen.