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Die gefährlichsten FlugroutenAbstürze, Abschüsse und Flugzeugunglücke führen regelmäßig zu großer Verunsicherung. Zumal es immer heißt, dass das Flugzeug das sicherste Verkehrsmittel sei. Ist es also nur Zufall, wenn es zu einer Flugzeugkatastrophe kommt? Oder gibt es Flugrouten, die gefährlicher sind als andere?

Wenn die Medien über den Absturz eines Flugzeugs, einen schweren Flugzeugunfall oder gar den Abschuss eines Passagierfliegers berichten, kommt bei vielen Fluggästen Angst auf. Die Statistiken belegen zwar eindeutig, dass bei Flugzeugunfällen auf der ganzen Welt pro Jahr weit weniger Menschen zu Tode kommen als bei Verkehrsunfällen allein auf deutschen Straßen.

Und den meisten ist auch durchaus klar, dass eine Flugzeugkatastrophe ein vereinzelter, sehr seltener Vorfall ist. Aber angesichts der vielen Krisenherde stellt sich dann doch die Frage, wie sicher es ist, bestimmte Länder anzufliegen und gewisse Regionen zu überfliegen. Gibt es also so etwas wie die gefährlichsten Flugrouten?

Eine Risikoeinstufung berücksichtigt verschiedene Kriterien.

Es gibt kaum ein Ziel, das per Flugzeug nicht zu erreichen wäre. Und das hat auch einen guten Grund: Es existiert kaum ein Land, bei dem ein Überflug ein wirklich ernsthaftes und unkalkulierbares Risiko darstellt. Aber das heißt natürlich nicht, dass alle Flugrouten deshalb gleich als unbedenklich eingestuft werden. Ganz im Gegenteil gibt es mehrere Faktoren, die dazu führen, dass eine Flugroute als gefährlich gilt. Zu diesen Faktoren gehören beispielsweise Kampfhandlungen in Krisen- und Bürgerkriegsgebieten, politische Ordnungen oder auch aktive Vulkane.

Ist eine Flugroute als gefährlich eingestuft, führt das aber nicht zwangsläufig dazu, dass die Fluggesellschaften eine Alternativroute wählen. Solange es keine konkreten Warnungen oder Flugverbote gibt, werden die Flugstrecken weiterhin genutzt. Allerdings werden zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen. So fliegen die Maschinen dann beispielsweise auf einer noch größeren Reisehöhe. Hierzu muss der Fluggast wissen, dass Flugzeuge mehrere Kilometer hoch über dem Boden unterwegs sind. Und in diesen großen Höhen sind sie vergleichsweise sicher. Denn in den meisten Krisengebieten verfügen die Rebellen über Waffensysteme, die ein Flugzeug in über 10.000 Metern Höhe nicht erreichen können. Weit größere Gefahr besteht deshalb, wenn ein Flieger im Steig- oder Landeanflug ist. Um hier keine Risiken einzugehen, werden kritische Ziele deshalb erst gar nicht angeflogen. Und auch Krisenherde, bei denen bekannt ist, dass die Rebellen mit hocheffektiven Waffen wie etwa BUK-Raketen ausgestattet sind, werden gemieden.

Die Luftfahrtbehörden haben das Wort

Für die Einschätzung der aktuellen Lage sind grundsätzlich die nationalen Luftfahrtbehörden zuständig. Sie können auf eine verschärfte Sicherheitslage hinweisen, Sicherheitswarnungen herausgeben, regional begrenzte An- und Überflugverbote aussprechen oder den gesamten Luftraum sperren. Allerdings gehen die Einschätzungen von nationalen Behörden und internationalen Stellen mitunter weit auseinander. Und in beispielsweise Ostafrika existieren erst gar keine handlungsfähigen Luftfahrtbehörden. Hinzu kommt, dass der Einfluss der Behörden recht unterschiedlich geregelt ist. Dies zeigt etwa ein Vergleich zwischen den US-amerikanischen und den deutschen Luftfahrtbehörden.

In den USA ist die Federal Aviation Administration, kurz FAA, die verantwortliche Luftfahrtbehörde. Sie überprüft die aktuelle Sicherheitslage und entscheidet, welche Zonen als wie gefährlich eingestuft werden. Die Ergebnisse werden als Notices to Airman, zu Deutsch: Mitteilungen für Flieger, veröffentlicht. Für die US-amerikanischen Airlines sind die Vorgaben der FAA verbindlich. Entscheidet die FAA, dass eine Flugroute nicht genutzt oder ein bestimmtes Ziel nicht angeflogen werden darf, dann müssen sich die US-Airlines an dieses Verbot halten. Bewertet die FAA eine Route als gefährlich oder kritisch, aber nicht verboten, kann sie die Flughöhe vorschreiben, in der die US-Flieger das Gebiet überfliegen müssen. Die Vorgaben der FAA sind aber tatsächlich nur für US-amerikanische Fluggesellschaften verbindlich. Airlines anderer Länder orientieren sich zwar ebenfalls oft an den Vorgaben und folgen ihnen. Verpflichtet dazu sind sie aber nicht.

In Deutschland ist die Sache etwas umständlicher. So gibt es hier zum einen die Europäische Agentur für Flugsicherheit, kurz EASA. Sie kann Empfehlungen, welche Gebiete besser umflogen werden sollten, für Fluggesellschaften aus der EU herausgeben. Für deutsche Fluggesellschaften kann zum anderen das Auswärtige Amt in Zusammenarbeit mit dem Luftfahrt-Bundesamt derartige Empfehlungen aussprechen. Empfehlungen deshalb, weil die Einschätzungen der genannten Behörden nicht verbindlich sind. Die deutschen Fluggesellschaften können also letztlich selbst entscheiden, ob sie den Empfehlungen folgen oder ob nicht.

Keine Fluggesellschaft entscheidet leichtfertig

Vorab sei betont: Keine Fluggesellschaft entscheidet leichtfertig darüber, ob sie ein Krisengebiet überfliegt oder ein sicherheitskritisches Ziel ansteuert. Denn keine Fluggesellschaft möchte Verletzte und Tote beklagen, eine Maschine verlieren oder Schlagzeilen wegen einer Flugzeugkatastrophe machen. Stattdessen ist jeder Fluggesellschaft daran gelegen, ihre Passagiere, ihre Crew und ihren Flieger sicher ans Ziel zu bringen.

Bevor eine Flugroute freigegeben wird, führt die Fluggesellschaft eine Risikobewertung durch. Dafür nutzt sie ihre Kontakte im Inland, im Zielland und zu internationalen Stellen, um sich so einen Überblick über die aktuelle Lage zu verschaffen. Auf Basis all ihrer Informationen entscheidet sie dann, ob die Flugroute sicher ist. Und oft bleibt den Fluggesellschaften gar nichts anderes übrig, als die Risikobewertung eigenständig vorzunehmen. Denn mitunter tun sich so schnell neue Krisenherde oder Gefahrenfelder auf, dass von offizieller Seite noch gar keine verlässlichen Einschätzungen vorliegen.

Die Flugroute selbst wird dann von sogenannten Flugwegplanern ausgearbeitet. Sie berücksichtigen bei der Planung sowohl grundlegende, unveränderliche Eckdaten als auch aktuelle Faktoren wie beispielsweise Einschränkungen im Luftraum oder Wetterdaten. Sind die Piloten mit der Routenplanung nicht einverstanden, können sie Einspruch erheben und Änderungen vereinbaren. Sogar während des Flugs kann die Flugroute jederzeit verändert werden, wenn die Situation dies erfordert. Allerdings werden Änderungen immer mit der Flugsicherung des Landes, das gerade überflogen wird, abgestimmt. Eigenmächtige Entscheidungen dürfen die Piloten nur in einigen wenigen Ausnahmefällen treffen. Und das ist auch gut so. Denn wenn jeder Pilot seine Route nach Lust und Laune abändern würde, käme es im Luftraum zum Chaos und niemand könnte mehr die Sicherheit gewährleisten.

Hier gab es die meisten Flugzeugunfälle

Der Informationsdienst Aerosecure trägt verschiedenste Daten und Informationen rund um die Sicherheit beim Fliegen zusammen. Dabei hat die Auswertung von rund 2.000 Flugzeugunfällen zwischen 1996 und 2007 folgendes Ranking für die gefährlichsten Flugrouten ergeben:

Platz 10Brasilien614 Tote bei 68 Unfällen
Platz 9Iran771 Tote bei 29 Unfällen
Platz 8Myanmar68 Tote bei 6 Unfällen
Platz 7Nepal103 Tote bei 12 Unfällen
Platz 6Sudan394 Tote bei 42 Unfällen
Platz 5Kongo548 Tote bei 80 Unfällen
Platz 4Indien495 Tote bei 22 Unfällen
Platz 3Nigeria557 Tote bei 28 Unfällen
Platz 2Indonesien790 Tote bei 53 Unfällen
Platz 1Afghanistan198 Tote bei 23 Unfällen

Dass Länder mit weniger Unfällen mitunter schlechter platziert als Länder, in denen es weit mehr tödliche Unfälle gab, liegt daran, dass die Zahlen immer im Verhältnis zum Flugaufkommen gesehen werden müssen. Zudem darf nicht übersehen werden, dass das Ranking einen Zeitraum berücksichtigt, der schon lange zurückliegt. Seitdem hat sich in der Luftfahrt viel getan und das Fliegen ist heute allein schon aufgrund der sehr viel höheren Sicherheitsanforderungen deutlich sicherer als noch vor zehn Jahren!

Aktuell werden verschiedene Flugrouten als kritisch eingestuft. Hierzu gehören beispielsweise Überflüge über die Ostukraine, Äthiopien, Somalia, Libyen, Mali, Kenia, den Jemen oder die Sinai-Halbinsel. Aber: In den Flugzeug-Cockpits, den Towern und den Kontrollzentren sitzen absolute Profis mit Top-Ausbildung, die alles dafür tun werden, dass ihre Passagiere sicher am Ziel ankommen. Garantiert!