Radikalkur gegen Flugangst: Der Fallschirm Tandemsprung

Der Fallschirm TandemsprungZugegeben, ein Tandemsprung für Menschen mit Flugangst setzt etwas Mut voraus. Dass es dennoch ein guter Weg sein kann und dass es überhaupt realisierbar ist, liegt aber auch daran, dass Flugangst kein Phänomen von grundsätzlich ängstlichen oder leicht zu beunruhigenden Menschen ist. Diese Angst kann alle treffen, auch solche, von denen man es nicht vermutet. Wenn Sie sich dazu rechnen, kann ein solcher Sprung für Sie geeignet sein.

Was ist ein Tandemsprung?

Ein Tandemsprung ist ein Fallschirmsprung, der zusammen mit dem sogenannten Tandemmaster absolviert wird. Der Tandemmaster ist ein erfahrener Fallschirmspringer und leitet den Gast vorher genau ein. Dabei geht es vor allem um die Körperhaltung während des Sprungs. Gesprungen wird aus einer Höhe aus 3-4000 Metern im freien Fall bis etwa 1500 Meter über dem Boden. In dieser Höhe wird der Fallschirm geöffnet. Der gesamte Sprung dauert nur wenige Minuten. Die Vorbereitung ist aber deutlich zeitintensiver, weshalb Sie einen halben Tag einplanen sollten.

Für wen eignet sich diese Radikalkur?

Eine vorherige Ausbildung ist bei einem Tandemsprung nicht erforderlich. An Flugtagen oder ähnlichen Veranstaltungen für die Öffentlichkeit können solche Sprünge mitunter auch spontan wahrgenommen werden. Das ist ein großer Vorteil für Sie, wenn Sie Ihre Angst lieber mit sich selbst ausmachen wollen, weil es Ihnen nicht hilft, Ihre Angst und deren Bewältigung mit dem Umfeld zu besprechen. Natürlich ist es ebenso möglich und sinnvoll, einen Termin mit einer Flugschule zu vereinbaren. Tandemsprünge gibt es übrigens auch an vielen Urlaubsorten als Angebot für Touristen.

Sind Tandemsprünge gefährlich?

Tandemsprünge gelten als sehr sicher. Der Tandemmaster hat mit unzähligen Sprüngen bewiesen, dass er sich mit der Materie hervorragend auskennt und die Technik so gut beherrscht, dass er sogar einen Laien beim Sprung sichern kann, sodass beide unversehrt landen. Er ist es auch, der schließlich landet. Der Passagier, wie Fallschirmspringer ihren Gast dann nennen, hat nur wenig zu tun. Er zieht bei der Landung lediglich die Knie an, damit der Tandemmaster die Landung vollziehen kann.

Reicht ein Fallschirm überhaupt zwei Personen?

Der Fallschirm für den Tandemeinsprung ist ein besonderer Schirm, der extra für diesen Zweck entwickelt wurde. Gesprungen wird zudem mit zwei Schirmen, einem Haupt- und einem Reserveschirm. Auch der Reserveschirm ist ein vollwertiger Schirm.

Was passiert, wenn der Tandemmaster plötzlich ausfällt?

Tandemmaster
Tandemmaster

Theoretisch kann auch ein Tandemmaster durch eine Verkettung unglücklicher Zufälle ausfallen. Kein Fallschirmspringer springt aber, wenn er sich nicht wohlfühlt, denn auch er will natürlich unversehrt auf der Erde ankommen. Für den absolut unwahrscheinlichen Fall, dass so etwas dennoch passiert, greift die elektronische Öffnung des Schirms, denn der gesamte Sprung wird von einem Sicherheitssystem überwacht. Es prüft die Fallgeschwindigkeit und die Flughöhe. Sollte der Tandemmaster aus irgendeinem Grund den Schirm nicht öffnen, passiert das also automatisch. Dieses System ist übrigens Pflicht und wird auch überwacht.

Was genau passiert, wenn sich der Reserveschirm öffnet?

Es kann passieren, auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass sich der Hauptschirm nicht öffnet oder nicht vollständig öffnet. In diesem Fall öffnet sich der Reserveschirm ohne weitere Verzögerung. Die Landung wird dadurch nicht beeinträchtigt.

Findet ein gebuchter Sprung auf jeden Fall statt?

Nein, das kann niemand gewährleisten und das wird auch niemand ernsthaft wollen. Das Team am Flugplatz entscheidet, ob der Sprung aufgrund der Wetterlage sicher möglich ist. Ist das nicht der Fall, wird der Sprung abgesagt. Das lässt sich allerdings meist schon vorhersehen, denn natürlich verfolgen die Experten auch die Wetterberichte. Daher ist die Absage oft schon am Tag zuvor absehbar.

Wechselbad der Gefühle beim Sprung

Wechselbad der Gefühle beim Sprung

Beim Sprung kommt es zu einem kräftigen Adrenalinstoß. Beim ersten Sprung fehlt das Gefühl für den Ablauf. Die ca. 10 Sekunden freier Fall können sich daher durchaus länger anfühlen. Sobald sich der Schirm öffnet, stellt sich dazu eine leichte Beruhigung ein, die sich noch einmal verstärkt, wenn der Passagier realisiert, dass sich die Erde in angenehmer Geschwindigkeit nähert. Mit dem Einleiten der Landung kann dann schon die erste Euphorie spürbar werden, die sich natürlich mit der abgeschlossenen Landung noch einmal erheblich verstärkt.

Genügt ein Sprung gegen Flugangst?

Das ist möglich, muss aber nicht zwingend so sein. Eine gute Erfahrung ist, dass ein Sprung Sicherheit vermitteln kann. Das Vertrauen in den Tandemmaster und das Material bewähren sich und trotz freien Falls in etwa 3000 Meter Höhe hat der Fallschirmspringer nicht einmal einen Kratzer davongetragen, dafür aber eine großartige Erfahrung gemacht. Bei den nächsten Sprüngen hat sich ein Gefühl für die Abläufe eingestellt. Das führt zu mehr Vertrauen und mehr Sicherheitsgefühl und kann dabei helfen, die Höhenangst dauerhaft zu überwinden.

Versteht der Tandemmaster die Angst?

Versteht der Tandemmaster die Angst?

Auch erfahrene Fallschirmspringer sind ein erstes Mal gesprungen. Sie wissen, wie aufregend das ist und dass ihr Passagier nervös ist. Sie bieten sich als Tandemmaster an, weil sie über genug Erfahrung und Sachverstand, aber auch pädagogisches Geschick verfügen, einem anderen Menschen Sicherheit zu vermitteln. Sie bieten ihre Leistung aber auch an, weil sie gerne anderen Menschen zu einer großartigen Erfahrung verhelfen. Wer unter Flugangst leidet, sollte das in jedem Fall dem Tandemmaster sagen.

Wann ist der Fallschirmsprung für mich nicht geeignet?

Nicht jeder Mensch ist für die Konfrontationstherapie geeignet. Wenn Sie zu den Menschen gehören, die schon Tage vor einem Ereignis in Panik geraten, werden Sie es vermutlich nicht bis ins Flugzeug schaffen. Die Beobachtungen zeigen, dass die Personen, die im Flugzeug sitzen, auch springen, denn die Höhenangst spielt hier kaum eine Rolle, der Boden ist einfach zu weit entfernt. Auch wenn Sie zu Panikattacken neigen oder bei Angst stocksteif werden, ist ein solcher Sprung für Sie keine Lösung.

Advertisements

Kommentare sind deaktiviert.