Flugangst bei KindernSie planen eine Flugreise, aber Ihr Kind hat Angst? Oder Sie möchten verreisen und müssen befürchten, dass Ihr Kind mit Angst reagiert, weil es besonders sensibel ist? Mit den nachfolgenden Tipps können Sie Ihr Kind auf die Flugreise vorbereiten. Außerdem erfahren Sie, woran Sie erkennen, wenn es besser ist, auf die Flugreise zu verzichten. 

Sie haben gebucht, erzählen Ihrer Familie begeistert vom geplanten Flug und plötzlich erklärt Ihr Kind, dass es nicht fliegen will. Wenn Ihnen das passiert ist, sollten Sie wissen, dass Sie mit dieser Erfahrung nicht allein sind. Vermutlich kam es im Anschluss sogar zu Diskussionen, Sie waren erst verwundert, Ihr Nachwuchs verstärkt seine Aussage, nicht fliegen zu wollen, und schließlich sind Sie möglicherweise ärgerlich geworden. Vielleicht stehen Sie aber auch noch irritiert für der Ablehnung Ihres Kindes, gemeinsam in den Urlaub zu fliegen.

 

Flugangst bei Kindern – wie ernst ist es?

Nehmen Sie Ängste ernst! Unterscheiden Sie aber, ob Ihr Kind weiß, was bei einem Flug passiert, oder nicht.

Unser Kind kennt doch das Fliegen gar nicht!

Wenn Ihr Kind noch nie geflogen ist, hat es keine Flugangst, sondern Angst vor dem Unbekannten. Je nachdem, wie sensibel ihr Kind auch sonst ist, ist es mehr oder weniger gefährdet, Ängste zu entwickeln. Auch Panikattacken sind möglich. Um Ihrem Kind zu helfen, unterscheiden Sie, ob Sie mit der Angst vor dem Unbekannten oder der Erinnerung an eine konkrete Situation zu tun haben.

Unser Kind hat schlechte Flugerfahrungen gemacht

Wenn Sie bereits mit Ihrem Kind geflogen sind und es dabei unangenehme Erfahrungen gemacht hat, kann sich daraus eine Flugangst entwickeln. Eine unerwartet harte Landung oder ein turbulenter Flug können dazu ausreichen. Auch Übelkeit, ausgelöst durch die Reisekrankheit, kann Flugangst auslösen.

Das sensible und zu Angst neigende Kind

Sie kennen Ihr Kind genau. Wenn es sensibel ist und zu Ängsten neigt, haben Sie sicher schon öfter beobachtet, dass es jeder möglichen Gefahr aus dem Weg geht. Ein Kind, das zu Ängsten neigt, läuft kaum bei Rot über die Straße, es klettert nicht auf Bäume und erschrickt leicht. Dieses Verhalten kann schon beim Kleinkind auftreten. Das bedeutet aber nicht, dass das Kind unter Autismus oder ADHS leidet.

Der Grund für die Neigung zu Angst

Grund für ein so sensibles Wesen kann ein empfindliches Nervensystem sein. Normalerweise lernen Kinder, Reize zu filtern. So schützen sie sich so vor einer Reizüberflutung. Hochsensiblen Menschen gelingt das weniger gut. Wenn Ihr Kind zu diesem Personenkreis gehört, ist es im Alltag sehr viel mehr Einflüssen ausgesetzt als andere Menschen. Das ist eine enorme Belastung und kann einen jungen Menschen überfordern.

So erkennen Sie ein hochsensibles Kind

Folgende Auffälligkeiten können ein Hinweis darauf sein, dass Ihr Kind hochsensibel ist:

  • Will viel getragen werden
  • Kann schlecht allein schlafen
  • Schreit überproportional viel
  • Beobachtet das Umfeld sehr genau
  • Reagiert sehr emotional (selten gelassen)
  • Fremdelt mehr als andere Kinder

Diese Hinweise gelten für kleine Kinder. Es müssen auch nicht alle Punkte zutreffen. Natürlich kann es auch sein, dass Ihnen weitere Dinge auffallen, wie Wutgebrüll beim Baden oder beim Haare kämmen. Hochsensible Kinder reagieren auch auf leichte Schmerzreize schneller mit einem großen Drama, bis hin zu panischem Verhalten.

Bei größeren Kindern fallen Ihnen vielleicht folgende Dinge auf:

  • Hat nur einen kleinen aber stabilen Freundeskreis
  • Sehr harmoniebedürftig
  • Setzt sehr auf Sicherheit
  • Leicht ablenkbar
  • Sprachgewandt und vielseitig interessiert

Auch hier handelt es sich um Anzeichen, die auf eine hohe Sensibilität hinweisen können, aber nicht müssen. Was bedeutet das nun für Ihr Kind mit Angst vor dem Flug?

So können Sie Ihr Kind auf den Flug vorbereiten

Emotional belastbare Kinder vertragen es zumeist, wenn sie von ihren Eltern vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Ihr hochsensibles Kind aber nicht. Eine sehr gute Idee ist es, mit diesem Kind zuvor einen Flughafen zu besuchen. Schauen Sie sich die Starts und Landungen an und verbinden Sie den Ausflug mit einem schönen Erlebnis am Flughafen, z. B. einem gemeinsamen Essen im Restaurant. Hier noch ein paar Tipps:

  • Nicht überreden
  • Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen
  • Erklären Sie den Ablauf bei einem Flug
  • Wachsam bleiben und abkürzen, wenn das Kind genug hat

Abhärten gegen Flugangst?

Ein hochsensibles Kind abhärten zu wollen, kann die Probleme erheblich verstärken. Das bedeutet nicht, dass Sie Ihr Kind „in Watte packen“ sollen. Vermitteln Sie Sicherheit und Ruhe. Sagen Sie Ihrem Kind aber auch, dass Sie ihm vertrauen und sicher sind, dass es der Herausforderung gewachsen ist.

Wenn Sie sich zum Thema aus wissenschaftlicher Sicht einlesen wollen, finden Sie hier eine Bachelorarbeit über hypersensible Kinder.

Sie sind selbst hochsensibel?

Hochsensible Kinder haben oft auch einen hochsensiblen Elternteil. Mit diesem Test können Sie herausfinden, ob Sie selbst betroffen sind.

Unser Kind hat schlechte Erfahrungen gemacht

Wenn Sie einen unruhigen Flug oder eine holprige Landung mit Ihrem Kind erlebt haben, kann das dazu führen, dass Ihr Kind sich einer erneuten Flugreise verweigert. Entscheiden Sie nicht über den Kopf Ihres Kindes hinweg, das kann einen Vertrauensverlust verursachen und ein sich komplett verweigerndes Kind bekommen Sie nicht ins Flugzeug!

Haben Sie Angst?

Es ist wichtig, dass Sie sich zunächst darüber klar werden, wie Sie mit der gemachten Erfahrung umgehen können. Wenn Sie ins Flugzeug steigen, müssen Sie Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen.

Flug gemeinsam planen

Vermeiden Sie, dass Ihr Kind das Gefühl bekommt, dass schon alles entschieden ist und es keine Chance mehr hat, dem Flug auszuweichen. Bei Kleinkindern können Sie folgendermaßen vorgehen:

  • Flughafenbesichtigung
  • Erzieher der KiTa bitten, einen Thementag „Fliegen“ zu veranstalten
  • Bilder vom Ziel zeigen
  • Ein Reiseziel wählen, das für Ihr Kind besonders reizvoll ist
  • Freunde und Verwandte bitten, von guten Flugerfahrungen kindgerecht zu erzählen

Bei größeren Kindern können Sie oftmals mit sachlichen Argumenten überzeugen. Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass es wichtig ist, sich Ängsten zu stellen. Erklären Sie ihm, dass es noch öfter im Leben beängstigende Erfahrungen sammeln wird und dass ein Ausweichverhalten keine Lösung sein kann.

Seien Sie ein Vorbild!

Erinnern Sie sich an eine Situation, in der Sie sich aufgrund schlechter Erfahrungen mühsam überwinden mussten? Z. B. nach einem Autounfall wieder mit dem Auto zu fahren oder ein Besuch beim Zahnarzt nach einer schmerzhaften Behandlung? Sicher fällt Ihnen etwas ein, denn unangenehme und beängstigende Erlebnisse sind Teil des Lebens. Berichten Sie Ihrem Kind, wie Sie Ihre Angst überwunden haben.

Sie haben es geschafft – Sie sind mit dem Flugzeug geflogen!

Wenn Sie gelandet sind, schauen Sie, wie Ihr Kind sich fühlt. Loben Sie es ehrlich und sagen Sie ihm, wie stolz Sie sind und dass Sie genau wissen, welche großartige Leistung es ist, die eigene Angst zu überwinden, denn das ist es, ganz besonders für Kinder, die diese Erfahrung erst machen müssen.

Fazit zur Flugangst bei Kindern

Bleiben Sie sensibel. Ein Kind mit Flugangst gut durch eine Flugreise zu bringen, ist eine große Aufgabe für Ihre erzieherischen Fähigkeiten. Überwindet Ihr Kind seine Angst, haben Sie mehr geschafft, als nur gemeinsam zu verreisen. Ihr Kind hat Ihnen vertraut und Sie haben es sicher durch eine emotionale Krise geführt. Für die gesunde Entwicklung war das ein riesiger Schritt.

Sie haben es nicht geschafft?

Wenn es Ihnen nicht gelungen ist, Ihrem Kind die Angst vor dem Flug zu nehmen und Sie vorsichtshalber auf die Flugreise verzichtet haben, überschütten Sie Ihr Kind nicht mit Vorwürfen. Es ist verständlich, dass Sie enttäuscht sind. Schuldgefühle sind aber eine zusätzliche emotionale Belastung. Versuchen Sie es einfach im nächsten Jahr noch einmal.