Flugangst: Golfprofi Florian Fritsch | Ein Erfahrungsbericht

Flugangst Golfprofi Florian Fritsch Florian Fritsch ist Golfprofi und berufsbedingt weltweit unterwegs. Bis 2006 legte er viele seiner Reisen mit dem Flugzeug zurück, bis zu 4-5 Flüge alle 14 Tage. Ein beachtliches Pensum und für die meisten Menschen ist kaum vorstellbar, dass jemand, der so viel fliegt, unter Flugangst leiden kann. Und doch gehört Florian Fritsch zu den Menschen, die lange Zeit gegen die Flugangst angekämpft haben. Wir haben mit dem Profisportler gesprochen und dabei erfahren, dass er sich noch genau erinnern kann, wann die Flugangst ihren Anfang genommen hat.

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Im Gespräch erzählt Florian Fritsch, dass ein Flug von Frankfurt nach Turin der Auslöser war, bei dem es zu Turbulenzen kam. „Das Flugzeug sackte einige Male ab, stieg dann wieder auf, wie ein Karussell“, erinnert sich der Sportler. Auf die Frage, wie er sich dabei gefühlt hat, erklärte er:“Mein Magen hat reagiert. Es kam einfach und eigentlich war der Flug nicht hochdramatisch“.

Zu diesem Zeitpunkt kam ihm zum ersten Mal der Gedanke, dass ein solcher Flug auch schiefgehen kann. Dass die anderen Fluggäste ebenfalls unruhig wurden, hat ihn dennoch nicht beeinflusst, erinnert er sich. Schlimmer war der Gedanke daran, dass Luft ein gasförmiges Element ist und 500 Tonnen Flugzeug unmöglich fliegen können. Dabei half ihm auch das Wissen um die physikalischen Voraussetzungen nicht.

Florian Fritsch hat viel gegen die Angst unternommen

Florian Fritsch hat viel gegen die Flugangst unternommenNatürlich hat der Profisportler nichts unversucht gelassen, seine inzwischen handfeste Phobie in den Griff zu bekommen. „Ich habe 10 oder 11 Therapien in Anspruch genommen. Autosuggestion, NLP, Hypnose, auch Psychotherapien. Geholfen hat es mir nur in dem Moment“, weiß er rückblickend. Was sich direkt während oder nach der Behandlung als vermeintlich hilfreich zeigte, wich schon wenig später der Realität, der Angst.

Trotzdem hat Florian Fritsch es immer mal wieder versucht, bis er vor einem Jahr zu dem Schluss kam, nicht mehr zu fliegen. Zumindest vorerst wie er versichert, denn ausschließen will er für die Zukunft nichts. Bis dahin nutzt er Bahn, Auto und die Fähre. Florian Fritsch hat sich aber nicht damit begnügt, sich seiner Angst zu stellen, er hat sie auch analysiert und ist schließlich zu dem Schluss gekommen, dass möglicherweise genau das der Fehler war. Er erklärt: „Ich habe mich viel mit meiner Angst befasst und mich gefragt, woher sie kommt“. Für Fritsch, der sonst kein ängstlicher Mensch ist, kam die Flugangst völlig überraschend.

 

Eine Expertenmeinung mit interessanten Theorien

Florian Fritsch spricht über seine FlugangstIn Gesprächen mit Professor Markgraf, der Experte auf diesem Gebiet ist, leuchtete ihm vor allem die Aussage ein, dass Flugangst eine besondere Form der Höhenangst ist. Höhenangst ist also natürlich. Die Angst vor der Höhe ist auch nicht sinnlos. Als Fritsch tiefer in die Materie eintauchte, stieß er auf Theorien, in denen er sich wiederfand. Dazu gehörte der Ansatz, dass Höhenangst genetisch fixiert ist. Sie kann sich in der Flugangst realisieren. Damit das aber passiert, muss dieses Gen über ein Ereignis aktiviert werden. Dem Golfer wurde bewusst, dass er dadurch, dass er sich intensiv mit seiner Angst befasst hatte, dieses Gen offenbar aktiviert hat. Aus der inneren Unruhe wurde so eine handfeste Phobie.

Das fand er auch bestätigt, als er rückblickend überlegte, wie die Flugangstseminare aufgebaut waren, die er besucht hat. Hier hatten er und die anderen Teilnehmer ihre Ängste auf eine Tafel geschrieben. Fritsch wurde so mit neuen Unsicherheiten und Ängsten konfrontiert, auf die er selbst noch gar nicht gekommen war. Das machte seine Angst noch schlimmer. Es wurde sich bewusst, dass der Mensch im Flugzeug mit Reizen konfrontiert wird, die nicht seiner Natur entsprechen. Er ist sich sicher, dass der Vergleich mit Bahn oder Auto absurd ist. Auch deshalb, weil der Mensch schon sehr lange auf vier Rädern unterwegs ist und auch der Zug ist keine Entwicklung der Neuzeit. Das Fliegen hingegen ist noch sehr jung und noch nicht in der „Natur“ des Menschen angekommen. Florian Fritsch ist heute der Meinung, dass der Begriff Phobie eigentlich nicht zur Flugangst passt, denn er ist sich sicher, dass es sich dabei eher um eine normale Reaktion handelt. Unglücklicherweise nützt auch Objektivität nichts und auch Statistiken über die Flugsicherheit tragen nicht dazu bei, dass die Flugangst nachlässt.

Auf die Frage, ob er alle Maßnahmen gegen die Flugangst für unsinnig hält, erklärt Florian Fritsch aber, dass das sicher nicht der Fall ist. Lediglich ihm habe nichts davon geholfen. „Ich schließe nicht aus, dass ich eines Tages wieder fliege“, ist außerdem seine Aussage. Er ist sich lediglich sicher, dass sein Aktionismus gegen die Flugangst falsch war. Passivität wäre die bessere Entscheidung gewesen. Auch sein Versuch, mit Medikamenten sedierend auf die Angst einzuwirken, ist gescheitert. „Das hat nichts genützt. Mein Adrenalinspiegel war zu hoch“, erklärt er und beschreibt damit ein Phänomen, mit dem viele Flugangst-Betroffene kämpfen, die schon lange vor dem Flug unter Ängsten leiden. Eingeschränkt fühlt sich der Golfprofi aber nicht.

Bilderrechte: Florian Fritsch & Nawphotography.com

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