Flugangst: Studien

Flugangst: StudienFlugzeuge sind sicher und Flugreisen komfortabel. Trotzdem kann längst nicht jeder Fluggast seinen Flug entspannt genießen. Studien belegen, dass rund 40 Prozent aller Passagiere ein gewisses Unbehangen verspüren oder sogar echte Flugangst haben. Bei kaum einem anderen Verkehrsmittel werden Sicherheit und Service so groß geschrieben wie beim Flugzeug. Das Personal, angefangen bei den Mitarbeitern am Boden über die Flugbegleiter bis hin zu den Piloten, ist hervorragend geschult. Und auch die Technik wird permanent weiterentwickelt, um Flugzeuge noch sicherer und komfortabler zu machen.

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Trotzdem bleibt die Flugangst ein Thema. Dabei kann die Flugangst jeden treffen: den gelegentlichen Urlaubsflieger genauso wie den beruflichen Vielflieger. Den Flugerfahrenen genauso wie denjenigen, der noch nie geflogen ist. Statistiken und Studien, die die Sicherheit des Flugzeugs belegen, helfen den Betroffenen nur wenig. Denn Flugangst entsteht nicht aus rationalen Überlegungen heraus. Doch was löst Flugangst aus? Und wer ist am häufigsten betroffen? Wir haben uns die Zahlen, Daten und Fakten einmal näher angeschaut.

Wie verbreitet ist die Flugangst?

Wie verbreitet ist die Flugangst

Flugangst taucht grundsätzlich in allen Altersgruppen und quer durch alle Gesellschaftsschichten auf. Eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach hat ergeben, dass rund 16 Prozent der Deutschen unter Flugangst leiden. Hinzu kommen weitere etwa 22 Prozent, die zwar keine Angst haben, sich an Bord des Fliegers aber auch nicht wirklich wohlfühlen.

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Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine andere Studie. Demnach gaben 32,2 Prozent der Befragten an, dass sie keinerlei Angst vorm Fliegen haben. 20,5 Prozent der Befragten sind zwar noch nie geflogen, hätten aber auch keine Angst. 27,4 Prozent werden unruhig und nervös, wenn während des Flugs ungewöhnliche Situationen eintreten. 8,2 Prozent der Befragten haben Flugangst, 3 Prozent leiden unter einer ausgeprägten Flugangst mit Panikattacken. Und 8,7 Prozent der Befragten hält ihre Flugangst davon ab, überhaupt zu fliegen.

Wann tritt die Flugangst auf?

Flugangst kann einen spezifischen Auslöser haben. So ist möglich, dass der Betroffene ein negatives Erlebnis hatte, etwa weil es während eines Flugs stärkere Turbulenzen gab, der Flieger durch ein Unwetter fliegen musste, die Landeerlaubnis erst mit Verzögerung erteilt wurde oder der Start wegen eines technischen Defekts verschoben werden musste. Aber genauso kann sich die Flugangst spontan und ohne erkennbaren Grund einstellen. Dies wiederum ist sowohl bei Passagieren, die noch nie geflogen sind oder gerade ihren ersten Flug erlebt haben, als auch bei Passagieren, die schon oft geflogen sind und dabei nie Probleme hatten, möglich. Auch zu der Frage, seit wann die Flugangst besteht, gibt es Zahlen:

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass bei Frauen die Flugangst überwiegend seit dem ersten Flug besteht. Männer hingegen neigen eher dazu, spontan Flugangst zu entwickeln, nachdem sie zuvor schon öfter angstfrei geflogen waren.

Welche Altersgruppe leidet am häufigsten unter Flugangst?

Flugangst kann in jedem Alter aufkommen. Kinder und Senioren sind jedoch seltener von Flugangst betroffen. Am stärksten haben Personen im Alter zwischen 26 und 50 Jahren mit der Flugangst zu kämpfen. Eine Ursache dafür könnte sein, dass diese Altersgruppe im Alltag beruflichem und privatem Stress ausgesetzt ist. Der Stresspegel ist dadurch insgesamt schon erhöht und ein hoher Stresspegel kann das Aufkommen von Flugangst begünstigen. Aus diesem Grund raten Experten auch dazu, die Zeit vor dem Abflug möglichst ruhig und gelassen zu gestalten. Denn wenn vor dem Abflug Hektik aufkommt, steigt die Gefahr von Angst- und Panikattacken im Flieger. Einer Online-Studie zufolge verteilt sich die Flugangst so:

Haben eher Frauen oder Männer Flugangst?

Mit Blick auf die Geschlechter gibt es keine allzu großen Unterschiede. Frauen leiden zwar häufiger unter Flugangst als Männer. Was das Gefühl von Unbehagen an Bord betrifft, bewegen sich die Zahlen aber in ähnlichen Größenordnungen. Und beide lassen sich von ihrer Angst oder ihrem mulmigen Gefühl nicht unbedingt von einer Flugreise abhalten. Denn der Prozentsatz derjenigen, die noch nie geflogen sind, ist bei Frauen und Männern nahezu identisch.

Welche Faktoren lösen Flugangst aus?

Moderne Flugzeuge fliegen in Reisehöhen, in denen Turbulenzen kaum eine Rolle spielen. Auch ungewohnte Bewegungen oder Geräusche sind hier eher nicht wahrnehmbar. Die schwierigsten Phasen für Passagiere, die unter Flugangst leiden, sind deshalb der Start und die Landung. Spätestens wenn das Flugzeug seine Reisehöhe erreicht hat, lässt auch die Flugangst meist nach.

Befragt nach den Faktoren, die am meisten Angst machen, gehören laut einer Studie des Deutschen Flugangst-Zentrums (DFAZ)

  • die Angst vor dem Ausgeliefertsein,
  • die Angst vor einem Absturz,
  • die Angst vor Turbulenzen,
  • die Angst vor einem technischen oder menschlichen Versagen,
  • die Angst vor ungewohnten Geräuschen und Bewegungen sowie
  • die Angst vor der Flugangst (und damit verbunden auch die Ängste, eine Panikattacke nicht zu überstehen oder sich zu blamieren

zu den häufigsten Antworten. Die Angst vor terroristischen Anschlägen ist zwar in den vergangenen Jahren leicht gestiegen, spielt insgesamt aber eine eher untergeordnete Rolle. Auch mit weiteren Ängsten wie etwa der Platzangst oder der Höhenangst, die die Flugangst begünstigen und verstärken können, hat nur ein kleiner Prozentsatz der Betroffenen zu kämpfen.

Wie äußert sich die Flugangst?

Die Flugangst kommt auf drei Ebenen zum Tragen:

1.) Verhaltensebene: Auf der Verhaltensebene äußert sich die Flugangst meist dahingehend, dass der Betroffene die Situation möglichst vermeiden möchte. Oft verzichtet er komplett auf Flugreisen. Lässt sich ein Flug nicht vermeiden, besteht die Neigung, der Situation so schnell wie möglich zu entfliehen. Der Betroffene versucht also, den Flug schnell hinter sich zu bringen und sich ansonsten nur so lange wie unbedingt notwendig am Flughafen aufzuhalten.

2.) Emotionale Ebene: Auf der emotionalen Ebene bestimmt die Flugangst die Gedanken- und Gefühlswelt. Der Betroffene stellt sich vor, was alles passieren kann, und spielt in Gedanken sämtliche Horrorszenarien durch. Er vertraut nicht auf die technische Sicherheit und das Können der Piloten. Stattdessen setzt schon ein kleines Geräusch, eine Bewegung oder ein ungewohnter Geruch das negative Kopfkino in Gang. Dazu mischt sich dann oft die Gewissheit, der Situation ausgeliefert zu sein. Schließlich kann der Betroffene den Flieger nicht einfach anhalten und aussteigen. Die Angst vor einer nicht ausreichenden medizinischen Versorgung im Notfall spielt ebenfalls eine Rolle.

3.) Körperliche Ebene: Wird der Körper durch die Angst in Alarmbereitschaft versetzt, reagiert er mit entsprechenden Anzeichen darauf. Typische Flugangst-Symptome sind:

Insgesamt machen die körperlichen Erscheinungen der Flugangst vielen Betroffenen am meisten zu schaffen. Denn zu der ohnehin schon unangenehmen Situation mischt sich die Sorge, sich zu blamieren und von anderen ausgelacht zu werden. Deshalb versuchen viele Betroffene, ihre Flugangst zu verbergen. Dies führt aber zu noch mehr Stress und verschafft einer Panikattacke so letztlich leichtes Spiel.

Noch ein interessantes Ergebnis:

Die Studie des Portals www.treffpunkt-flugangst.de führte zu einem interessanten Ergebnis. So bewerteten knapp 77 Prozent der Befragten die Stärke ihrer Flugangst auf einer Skala von 1 bis 10 mit einer Intensität zwischen 5 und 8. Ihrer eigenen Einschätzung nach ist die Flugangst somit deutlich bis stark ausgeprägt. Gleichzeitig gaben fast 80 Prozent der Befragten an, dass sie ihre Flugangst als übertrieben und unangebracht empfinden.

Dieses Ergebnis zeigt einmal mehr, dass Flugangst keine rationale Angst ist. Im Grunde genommen wissen die Betroffenen, dass ein Flug keine lebensgefährliche Bedrohung darstellt. In der Angstsituation kann der Verstand aber nicht viel ausrichten. Denn es laufen Schutzmechanismen ab, die die Reaktion auf subjektive Reize sind. Diese Reize lösen eine Gefahrenmeldung aus und in der Folge kommt es zu den Angstsymptomen. Der Schlüssel, um die Flugangst zu überwinden, ist somit, zu lernen, einen Flug nicht (mehr) als Gefahrensituation einzustufen. Dies wiederum kann einerseits dadurch gelingen, dass sich der Betroffene Wissen über die Abläufe an Bord und die Flugzeugtechnik aneignet. Andererseits helfen positive Erlebnisse. Jeder Flughafenbesuch, jede Panikattacke und jeder Flug, die gemeistert wurden, sind ein Erfolgserlebnis auf der Liste. Und jedes Erfolgserlebnis stärkt das Vertrauen, die Sicherheit und das Selbstbewusstsein.

Quellenangaben zu den zitieren Studien:

http://www.ifd-allensbach.de/uploads/tx_reportsndocs/prd_0316.pdf
https://www.treffpunkt-flugangst.de/treffpunkt-flugangst-umfrage-2008.pdf
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1265/umfrage/einstellung-zum-thema-fliegen/

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