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Platzangst im FlugzeugIch will nicht in den Flieger einsteigen. Ich halte es mit so vielen Menschen stundenlang in einem engen, geschlossen Raum, kilometerhoch über dem Boden nicht aus. Ich habe das Gefühl, ich ersticke hier drin. – Solche Gedanken schießen so manchem durch den Kopf, wenn ein Flug bevorsteht. Doch die Platzangst im Flugzeug lässt sich überwinden!

Eines vorweg:

Angst ist zunächst einmal gut und wichtig. Denn Angst hält den Menschen vor etwas zurück. Sie sorgt dafür, dass er aufmerksam und vorsichtig ist. Angst ist also nichts anderes als ein natürlicher Schutz vor gefährlichen Situationen. In gewissem Umfang ist Angst somit keineswegs etwas Schlechtes. Problematisch wird es erst, wenn die Angst übermächtig wird und regelrecht lähmt. Dann sollte der Betroffene gegensteuern.

Platzangst im Flugzeug – ein weitverbreitetes Phänomen

Platzangst gibt es in zwei verschiedenen Varianten. Die Psychologie bezeichnet die Angst vor weiten Plätzen als Platzangst. Der Fachbegriff hierfür lautet Agoraphobie. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist mit Platzangst aber in aller Regel genau das Gegenteil gemeint, nämlich die Angst vor engen, geschlossenen Räumen. Diese Angst nennt sich im Fachjargon Klaustrophobie. Und die Klaustrophobie ist das, was vielen Flugreisenden zu schaffen macht. Denn der Blick in das röhrenförmige Innere des Flugzeugs, in dem viele Menschen eng neben- und hintereinander sitzen, lässt ein beklemmendes Gefühl aufkommen. Gepaart mit dem Gedanken, während des Fluges in dieser engen Röhreregelrecht eingesperrt zu sein, hat die Platzangst leichtes Spiel.

Ganz ähnliche Gefühle löst übrigens auch ein Fahrstuhl aus. Doch während der Betroffene hier schnell eine Lösung findet, indem er einfach die Treppe nimmt, ist das beim Flugzeug schwieriger. Denn bestimmte Ziele sind – zumindest in einer vernünftigen Zeit – nur per Flieger zu erreichen. Und für sich zu beschließen, eben nicht (mehr) zu fliegen, ist der denkbar schlechteste Weg. Zumal es Mittel und Wege gibt, um die Platzangst hinter sich zu lassen.

Vielfältige Ursachen für Platzangst im Flugzeug

Flugzeuge sind das sicherste Verkehrsmittel überhaupt. Jahr für Jahr bringen sie rund vier Milliarden Passagiere sicher und zuverlässig ans Ziel. Die Zahl der Passagiere, die bei einer Flugzeugkatastrophe ums Leben kommen, ist mit weltweit wenigen hundert jährlich im Vergleich dazu verschwindend gering. Auf der anderen Seite sterben jedes Jahr allein auf deutschen Straßen mehrere tausend Menschen bei Verkehrsunfällen. Und selbst die Wahrscheinlichkeit, von einem Blitz erschlagen zu werden, ist statistisch gesehen höher, als einen Flug nicht zu überleben. Doch Zahlen und Statistiken können dem Betroffenen die Angst nicht nehmen. Denn Flugangst entsteht nicht aus rationalen Überlegungen heraus.

Platzangst im Flugzeug und in anderen engen, geschlossen Räumen kann viele verschiedene Ursachen haben. Vielleicht gab es einmal ein unangenehmes Erlebnis. Beispielsweise weil es ewig gedauert hat, bis der Flieger in Parkposition stand und die Türen geöffnet werden konnten. Oder weil das Gedrängel beim Aussteigen so groß war, dass der Betroffene im Menschenpulk stecken blieb. Vielleicht wurde der Betroffene aber auch als Kind einmal in einem dunklen Zimmer eingesperrt, von andern Kindern, die ihn ärgern wollten, oder von einem Erwachsenen als Strafe. Möglicherweise steht der Betroffene unter Stress oder steckt in einer schwierigen persönlichen Situation und kann deshalb viele Menschen nah um ihn herum kaum ertragen.

Genauso ist denkbar, dass es sich um eine sogenannte Erwartungsangst handelt. Als Erwartungsangst wird in der Psychologie die Angst vor der Angst bezeichnet. Dabei malt sich der Betroffene im Vorfeld die verschiedensten Horrorszenarien aus und steigert sich so sehr in seine Vorstellungen hinein, dass sie für ihn real werden. Sobald er dann das Flugzeug betritt, sieht er sich in der Katastrophensituation und die Angst übermannt ihn.

Der richtige Umgang mit der Angst

Der wichtigste Schritt, um die eigenen Ängste zu überwinden, besteht darin, die richtige Haltung zu entwickeln. Der Betroffene sollte sich vor Augen führen, dass es zunächst einmal natürlich und völlig normal ist, bestimmte Situationen als unangenehm zu empfinden. Und dass sein Unterbewusststein ihn durch die Angst eigentlich schützen möchte. Das Ziel sollte sein, nicht gegen die Angst zu arbeiten, sondern mit der Angst zu arbeiten. Dazu sollte der Betroffene seine Angst analysieren. Hilfreiche Fragen dabei sind beispielsweise:

Wovor genau habe ich Angst?
Wann ist diese Angst zum ersten Mal aufgetreten?

  • Was hat die Angst ausgelöst?
  • Wie äußert sich meine Angst?
  • Welche konkreten Situationen oder Gründe haben meine Angst verstärkt?
  • War die Situation, die die Angstattacke ausgelöst hat, im Nachhinein betrachtet, wirklich so bedrohlich?
  • Was hat mir in der akuten Angstsituation geholfen?

Bei der Angstanalyse geht es letztlich darum, der Angst ein Gesicht zu geben. Die Angst soll keine Bedrohung bleiben, die nicht greifbar ist. Stattdessen soll die Angst konkret werden. Dadurch wird es für den Betroffenen einfacher, sich seiner Angst zu stellen. Gleichzeitig kann der Betroffene so gezielt nach Möglichkeiten suchen, um mit seiner Angst umzugehen. Das Ziel ist dabei aber nicht, die Angst komplett auszublenden. Es geht vielmehr darum, zu einem gesunden Maß an Angst zurückzufinden. Denn ein gewisses Unbehagen oder ein leicht mulmiges Gefühl im engen Flugzeug ist völlig unproblematisch. Entscheidend ist nur, dass der Betroffene die Situation so einschätzt, wie sie tatsächlich ist: weder gefährlich noch lebensbedrohlich!

8 Tipps bei Platzangst im Flugzeug

Bei einer sehr stark ausgeprägten Platzangst sollte der Betroffene den Gang zum Arzt nicht scheuen. Möglicherweise liegt eine tiefgreifende Angststörung vor, die in einer professionellen Therapie aufgearbeitet werden kann. Ist es hauptsächlich die Flugangst, die Probleme bereitet, kann ein Seminar hilfreich sein. Inzwischen bieten viele Fluggesellschaften und andere Anbieter solche Seminare gegen Flugangst an. Manchmal genügen aber schon ein paar kleine Tricks, um der Platzangst effektiv entgegenzuwirken. Hier sind acht solcher Tipps:

1. Lockere und luftige Kleidung tragen

Ein bequemes Outfit hilft dabei, es sich im Flugzeugsitz gemütlich zu machen. Straff sitzende, enganliegende Klamotten schnüren ein und machen es schwer, eine entspannte Position zu finden. Außerdem überträgt sich die Enge um den Körper symbolisch auf das Gesamtgefühl, wodurch sich der Betroffene noch eingeengter fühlt.

2. Den richtige Sitzplatz wählen

Um der Platzangst entgegenzuwirken, empfiehlt sich ein Sitzplatz in einer der hintersten Sitzreihen. Denn durch den weiten Blick nach vorne fühlt sich der Betroffene weit weniger zwischen den vielen anderen Passagieren eingezwängt. Außerdem sollte er sich auf keinen Fall für einen Mittelplatz entscheiden. Ob ein Platz am Fenster oder am Gang die bessere Lösung ist, muss der Betroffene ausprobieren. Denn während es der eine als angenehmer empfindet, am Gang zu sitzen und von dort aus jederzeit aufstehen zu können, lässt der andere seinen Blick lieber aus dem Fenster in die Ferne schweifen.

3. Die Belüftung einschalten

Über jedem Sitzplatz befindet sich eine Lüftungsdüse, die individuell eingestellt werden kann. Diese sollte der Betroffene aktivieren, wenn er das Gefühl hat, dass ihm die Enge die Luft zum Atmen raubt. Denn durch den Luftstrom verschwindet das Gefühl, ersticken zu müssen.

4. Das Kabinenpersonal und die Sitznachbarn informieren

Auch wenn es vielleicht schwer fällt oder dem Betroffenen ein wenig peinlich ist, sollte er die Flugbegleiter ansprechen. Sie sind im Umgang mit Gästen mit Flugangst geschult und werden alles dafür tun, um den Flug für den Betroffenen so angenehm wie möglich zu gestalten. Auch die Sitznachbarn über die Flugangst zu informieren, ist eine gute Idee. Denn falls Angst aufkommen sollte, kommt nicht auch noch der Stressfaktor, die Angstsymptome unbedingt vor anderen verbergen zu wollen, dazu.

5. Musik hören

Der Betroffene sollte sich eine Auswahl an Musikstücken, die er gerne mag und die ihn entspannen, zusammenstellen. Ideal sind dabei eher langsame Songs mit rund 60 Beats pro Minute. Wissenschaftler haben nämlich herausgefunden, dass solche Songs den Herzschlag beruhigen und damit insgesamt zur Entspannung beitragen. Welche Art von Musik gehört wird, also ob beispielsweise Pop, Rock oder Klassik, spielt keine Rolle. Ein nützlicher Nebeneffekt vom Musikhören ist außerdem, dass die Musik komische, unbekannte Geräusche überdeckt.

6. Schokolade essen, Alkohol meiden

Schokolade und andere Süßigkeiten sorgen dafür, dass der Blutzuckerspiegel oben bleibt. Dadurch wird die Gefahr, dass sich Schwindel und ähnliche Kreislaufbeschwerden einstellen, minimiert. Hinzu kommt, dass beim Naschen Glückshormone ausgeschüttet werden, die der Flugangst ebenfalls entgegenwirken.

Wasser, Limonade und Säfte wirken erfrischend und helfen dabei, buchstäblich einen kühlen Kopf zu bewahren. Kaffee und Alkohol hingegen sind tabu. Auch Beruhigungstabletten sind keine gute Idee. Denn Alkohol und Medikamente überdecken zwar vorübergehend die Angst, beseitigen sie aber nicht.

7. Bewusst atmen

Tiefes, bewusstes Atmen hilft dabei, eine Angstattacke zu meistern. Eine ganz einfache, aber sehr effektive Atemtechnik geht so: Der Betroffene atmet durch die Nase ein und zählt dabei bis 3. Anschließend zählt er langsam weiter bis 6 und atmet währenddessen durch den Mund wieder aus. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass der Betroffene nicht in eine zu schnelle, panische Schnappatmung verfällt. Gleichzeitig werden durch die langsame Atmung beruhigende Signale an das Stresssystem des Körpers gesendet.

Entspannungsübungen sind ebenfalls effektiv. So kann der Betroffene beispielsweise einzelne Muskelgruppen in den Beinen, den Armen, dem Oberkörper oder dem Gesicht etwa zehn Sekunden lang fest anspannen und die Anspannung danach abrupt lösen. Durch den Wechsel zwischen An- und Entspannung lösen sich Verspannungen. Außerdem lenkt die Konzentration auf die Muskelübungen von der Angst ab.

8. Der wichtigste Tipp: fliegen!

Der mit Abstand wichtigste und beste Tipp lautet aber ganz einfach: Fliegen. Denn mit jedem Flug verzeichnet der Betroffene ein weiteres positives Erlebnis. Und je öfter er für sich registriert, dass der Flug längst nicht so schrecklich war wie befürchtet und dass nichts Schlimmes passiert ist, desto mehr wird sich seine Angst abbauen. Vermeidet der Betroffene hingegen das Fliegen, wächst die Angst immer weiter.